Reise in die Region Valmiera

Festakt zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum. Vitauts Stana (r.) hielt seine seine Rede vom Rollstuhl aus, in der ersten Reihe vor ihm (v.l.): Renate und Hans-Joachim Schwolow, Landrat Sven-Georg Adenauer, Dr. Silvana Kreyer, Guntis Gladskins und Ivo Virsis, Bürgermeister und Stadtdirektor von Rujiena, sowie im Hintergrund Franz-Josef Balke. Foto: Kreis Gütersloh

Gütersloh/Valmiera (jf). Der grünen Stadt der Kunst, so nennen die Einwohner Rujiena selbst gerne, war es in diesem Jahr vorbehalten, die Feier zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen dem Kreis Gütersloh und der Region Valmiera auszurichten. Landrat Sven-Georg Adenauer war mit einer über 60-köpfigen Delegation nach Valmiera aufgebrochen, im Mittelpunkt standen das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum und die beiden neuen Städtepartnerschaften, die in diesem Jahr besiegelt worden sind.

Bei dem Festakt in dem Kulturzentrum Rujienas – die Nationalhymnen spielte das Blasorchester der Stadt – betonten die Redner durchweg die Vorbildrolle der Partnerschaft in schwierigen europäischen Zeiten - Stichwörter waren unter anderem der Brexit und die Wirtschaftskrise 2008/2009. „Wir feiern heute den Mut von damals“, betonte Landrat Adenauer. Er verzichtete in seiner Rede wie alle anderen auch auf die Auflistung derer, die sich um die Partnerschaft verdient gemacht haben. Wie sagte es Vitauts Stana, ehemaliger Landrat Valmieras und jetziger Vorsitzender des dortigen Partnerschaftsvereins: „Dann würden wir noch bis Mitternacht brauchen.“

Denn die Partnerschaft tragen inzwischen viele Schultern, von Schulen über Kirchengemeinden, von der Feuerwehr über die Landwirtschaft bis hin zu den Kommunen. „Der Baum der Partnerschaft hat viele Äste und in diesem Jahr sind zwei neue, starke Äste hinzugekommen‘, sagte Adenauer mit Blick auf die neuen Städtepartnerschaften zwischen Harsewinkel und Mazsalaca sowie Naukŝēni und Borgholzhausen. Beim Besuch der Letten im Juli waren die entsprechenden Urkunden unterschrieben worden.

Mitgefahren waren daher auch Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann und die beiden stellvertretenden Bürgermeisterinnen Harsewinkels, Pamela Westermeyer und Regina Meißner-Schlömer an. Als Vertreterin der ersten Städtepartnerschaft, der zwischen Valmiera und Halle/Westfalen, nahm auch Anne Rodenbrock-Wesselmann an der fünftägigen Fahrt teil.

Bewegend waren die mitunter die Festreden: Vitauts Stana, der den Besuch im Kreis Gütersloh im Juli aus gesundheitlichen Gründen noch absagen musste, hielt seine Rede vom Rollstuhl aus. Nach einer Amputation trainiert er zurzeit mit einer Prothese eine Stunde täglich: „In meinem Herzen stehe ich vor Ihnen.“ Stana erinnerte an die Erfolge, auch die indirekten, die auf die Partnerschaft zurückzuführen seien. Wirtschaftlich stehe man auf einem der ersten Plätze in Lettland und bei der Abstimmung über den Beitritt zur europäischen Union hätten einst in keiner Region so viele Menschen mit ‚Ja‘ gestimmt wie in der Region Valmiera. Stana nutze seine Rede auch zu einem Appell: „Wir sollten mehr junge Leute für die Partnerschaft gewinnen, damit wir solche Jubiläen auch noch in 25 Jahren feiern können.“

Adenauer lobte vor rund 150 Gästen den unbedingten Willen zur Freiheit und den Mut, selbst zu gestalten. Mit diesem Mut seien viele Projekte mit Hilfe und Unterstützung aus dem Kreis Gütersloh in Angriff genommen worden. Er nannte als Beispiele die Hörgeschädigtenschule in Valmiera, das dortige Altenheim und das Krankenhaus in Mazsalaca – alles Projekte, die während des Delegationsbesuchs noch auf dem Besichtigungsprogramm standen. Von den dreieinhalb Tagen vor Ort war einer den beiden Kommunen Naukseni und Mazsalaca gewidmet, an den anderen besuchte die Delegation Projekte, teilte sich auf und informierte sich beispielsweise über die Wirtschaftslage in Valmiera und besuchte gemeinsam den größten Arbeitgeber der Region, das Glasfaserwerk Valmiera.

Teilnehmer der diesjährigen Delegation waren unter anderem auch Ursula Bolte, ehemalige Landrätin, sowie Franz-Josef Balke. Er war der ehrenamtliche Landrat, der vor 25 Jahren die Partnerschaftsurkunde unterschrieb.