Rettungsdienst-Symposium

Prof. Dr. Reinhard Strametz (von links) gemeinsam mit Malteser Führungskräften aus dem Erzbistum Paderborn: Martin Dörstelmann, Dienstellenleiter Ruhrgebiet/Hellweg aus Dortmund, Siegfried Krix, Bezirksgeschäftsführer Westfalen-Lippe, Christian Bruno, Dienststellenleiter Südwestfalen in Netphen, Alexander Metzler, Wachleiter des Wachverbunds Schwerte, Hagen, Hemer sowie Thorsten Heß, stv. Leiter Notfallvorsorge, und Cornelia Brune, stv. Wachleiterin Oerlinghausen. Foto: Malteser/Schiebel

Paderborn (pm). Wer arbeitet, der macht irgendwann mal einen Fehler. Das gilt auch für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Von Kliniken, über Altenheime oder ambulante Pflegedienste - bis zum Rettungsdienst. Entscheidend ist, wie Führungskräfte mit Fehlern umgehen, um sie künftig bestmöglich zu vermeiden. Und so stand das Thema "Fehlerkultur" ganz oben beim ersten bundesweiten Rettungsdienst Symposium der Malteser.

Bad Lauterberg ist eine alte Bergbaustadt im Harz. Ein guter Ort also, um Tiefenbohrungen anzustellen und nach dem zu suchen, was Menschen antreibt. "retten - führen - motivieren" war denn auch das Motto des ersten bundesweiten Malteser Rettungsdienst-Symposiums, zu dem Ende Januar rund 190 Leiterinnen und Leiter von Malteser Dienststellen und Rettungswachen aus ganz Deutschland nach Bad Lauterberg kamen.

Das Thema Motivation zog sich wie ein roter Faden durch die beiden Tage und wurde von verschiedenen Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Über "Arbeitgeberattraktivität im Rettungsdienst" machten sich Michael Schäfers und Oliver Pennings Gedanken und baten die Teilnehmer, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. Die Probleme nämlich sind bekannt: Der Bedarf an qualifizierten Rettern steigt, zugleich sinkt das Angebot an guten Arbeitskräften. Was, heißt es in der Umfrage, führt die Mitarbeiter zu den Maltesern?

Eine der größten Herausforderungen bei der Mitarbeitermotivation ist der Umgang mit Fehlern. Der weit verbreiteten, sogenannten "blame culture", die Fehlverhalten an den Pranger stellt und sanktioniert, widmete sich der Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Strametz. Prof. Strametz wirbt für einen anderen Denkansatz: Fehler sollen als Chance zum Lernen begriffen werden. Menschen machen nun einmal Fehler und das Wesen des Menschen kann man nicht ändern. Wohl aber die Bedingungen, unter denen sie arbeiten. Das hat schon der Wissenschaftler James Reason erkannt, auf den sich Strametz mehrfach bezog. Strametz, Wirtschaftswissenschaftler und Mediziner mit Rettungsdienst-Erfahrung, plädiert daher für eine Arbeitskultur, in der Mitarbeiter Fehler zugeben und andere daraus lernen können. Ganz ohne Sanktionen wird es aber wohl auch dann nicht gehen, glaubt Strametz: "Bei bewussten Verstößen darf es keine Toleranz geben."

Fehler zu vermeiden ist das eine - zu aktivieren das andere. Wäre es nicht wunderbar, wenn Mitarbeiter aus eigenem Antrieb täten, was gewünscht ist? "Nudging" heißt dieser Führungsansatz, den Erik Flügge in einem engagierten Auftritt vorstellte. "Anstoßen" also! Wer diese Kunst beherrscht, der kommt ohne Anweisungen, aber auch ohne Verbote aus. Dazu muss eine Führungskraft ihr Team sehr gut kennen, viel Freiraum für Eigenverantwortung lassen - und loben, loben, loben!

Wenn dann noch Humor mit ins Spiel kommt, ist die gute Stimmung im Team kaum zu verhindern, wie Felix Gaudo in einer Mischung aus Vortrag und Standup-Comedy bewies. Für den erfahrenen Redner und Comedian ist Humor als "Kunst der heiteren Gelassenheit" eine Schlüsselkompetenz des Führens und ein gutes Mittel gegen Stress. Und wo der Stress sinkt, steigt das Mitgefühl - gute Aussichten für Rettungskräfte.

Die Mischung aus Vorträgen und Workshops in angenehmer Arbeitsatmosphäre kam bei den Teilnehmern gut an. Der neue Bundesgeschäftsführer der Malteser Hilfsdienst gGmbH, Cornelius Freiherr von Fürstenberg, dankte den versammelten Malteser Führungskräften im Rettungsdienst für ihre Arbeit. "Sie haben einen anspruchsvollen Beruf, der fordert, aber auch belastet", so Fürstenberg. "Wir brauchen gute Wachleiter wie Sie! Sie sind unsere Chance!" In seinem Schlussstatement stellte Bundesgeschäftsführer von Fürstenberg daher in Aussicht, dieses Rettungsdienst-Symposium in zwei Jahren zu wiederholen.