So funktioniert eine Kläranlage

Alle Kinder durften mal am Abwasser riechen.

Lemgo (ul). Am Abwasser riechen, mit einem Mikroskop Bakterien beobachten und leuchtende Kinderaugen – all das gab es bei der Kinder-Uni am 15. November auf dem Kreativ Campus Detmold an der Hochschule OWL. Mehr als 40 Kinder hörten Professorin Ute Austermann-Haun vom Fachbereich Bauingenieurwesen zu, als sie erklärte, wie dreckiges Wasser in einer Kläranlage wieder sauber wird. 

„Jeden Tag nutzen wir literweise Wasser zum Geschirrspülen, Hände waschen oder beim Toilettengang“, erklärt Professorin Ute Austermann-Haun. „Pro Tag sind das 123 Liter pro Person. Dieses Abwasser wird durch eine Kläranlage wieder sauber“. In der Kläranlage wird das Abwasser durch ein gut aufeinander abgestimmtes System gereinigt und durch einen Prozess schrittweise sauberer. Durch Kanäle gelangt das Abwasser zunächst in die Kläranlage. „Das Wasser ist jetzt noch trüb und riecht ziemlich unangenehm“, berichtet die Professorin. Davon konnten sich die Kinder bei einer Riechprobe selbst überzeugen, als ein Gefäß mit „frischem“ Abwasser durch den Hörsaal ging.

Grobstoffe, wie Toilettenpapier oder Q-Tipps, werden daraufhin erst einmal mit einem Rechen entfernt. Weiter geht es für das Abwasser über einen Sandfang, bei dem der Sand und kleine Steinchen aus dem Abwasser geholt werden, in die Vorklärung und dann weiter in die biologische Reinigungsstufe im Belebungsbecken, wo viele Bakterien unser Abwasser säubern. Mit großer Begeisterung schauten die Kinder den höheren Organismen wie Bärtierchen, Glockentierchen beim Fressen zu. Eins sah aus wie eine Schlange und das andere wie ein knubbeliges, rundes Etwas mit Beinchen. Natürlich wollten alle auch einmal selbst durch das Mikroskop schauen. „Bakterien finden unser Abwasser ganz lecker und ernähren sich von den Abwasserinhaltsstoffen“, sagte Austermann-Haun. „Unsere Freunde die Bakterien wandeln die Abwasserinhaltsstoffe in Schlammflocken um“. Der Schlamm setzt sich am Boden des Nachklärbeckens ab und wird zurückgepumpt. Nach all diesen Prozessstufen ist das Wasser so sauber, dass es in einen Fluss und damit zurück in den Wasserkreislauf geleitet werden kann. Das zeigte auch das Gefäß mit klarem Wasser, das im Anschluss rumging. „Davon trinken solltet ihr dennoch bitte nicht“, erläuterte die Professorin.

Zum Abschluss erklärte Austermann-Haun noch, was in einen Abfluss gehört und was nicht – um das noch einmal zu verinnerlichen oder anderen zu erklären, gab es auch einen Test für zu Hause. Essensreste, Fett aus der Fritteuse, Katzenstreu oder Medikamente sind absolut tabu. Sie können Ratten anlocken, die Kanäle verstopfen oder das Wasser mit Stoffen belasten, die in den Kläranlagen nicht herausgeholt werden können. „Falls ihr euch später mal genauer mit diesen Themen auseinandersetzen möchtet – dann werdet doch Bauingenieure. Die planen und bauen nämlich Kläranlagen“, so Austermann-Haun.